• Rudolf Diesel, Erfinder des Dieselmotors, 1895
  • Albert Einstein, Erfinder der Relativitätstheorie, 1905-1915
  • Max Planck, Schöpfer der nichtklassischen Physik, 1900
  • Otto Lilienthal, Erfinder des Flugzeugs, 1891
  • Philipp Reis, Erfinder des Telefons, 1861
  • Carl Benz, Erfinder des Autos, 1886
  • Rudolf Diesel, Erfinder des Dieselmotors, 1895
  • Albert Einstein, Erfinder der Relativitätstheorie, 1905-1915
  • Max Planck, Schöpfer der nichtklassischen Physik, 1900
  • Otto Lilienthal, Erfinder des Flugzeugs, 1891
  • Philipp Reis, Erfinder des Telefons, 1861

Jugend und Werdegang

Heinrich Hertz-

Er las den Euripides im griechischen Original - und wurde doch Physiker.

Heinrich Hertz entstammte eine wohlhabenden hanseatischen Familie in Hamburg. Sein Großvater Wolf David Hertz erlangte als reicher, jüdischer Kaufmann seine volle Anerkennung erst, als er vom jüdischen zum lutherischen Glauben übergetreten war. Heinrichs Vater Gustav standen damit Wege offen, die seinen jüdischen Vorfahren noch verschlossen waren. Als Inhaber einer angesehehnen Rechtanwaltskanzlei heiratete er die Tochter einer protestantischen Familie aus Frankfurt am Main, und damit blieben Heinrich Hertz als Sohn protestantischer Eltern zeit seines Lebens rassische Diskriminierungen, die lange vor der NS-Zeit gang und gebe waren, erspart. Das Verbrecherkartell der Nazis versuchte es noch posthum durch Umdeutung der physikalischen Einheit "Hertz" (Hz) - aber davon später.

Hertz 12 Jahre Zeitschr Uni Karlsruhe 1988 Bild 1. Heinrich mit 12 Jahren - war an allem interessiert, was Technik hieß, war kein Stubenhocker, bastelte Tische und Stühle mit seiner Drechsel- und Hobelbank, war aber total unmusikalisch.

Sein Elternhaus hielt an der alten jüdischen Bildungstradition fest und sorgte dafür, dass Heinrich und seine drei Geschwister eine ausgezeichnete Ausbildung oder ein Universitätsstudium absolvieren konnten. In solchen Familien war es undenkbar, dass ihr Reichtum zu Nichtstun, Müßiggang und lediglichem Verbrauch des vom Vater Geschaffenen führte.

Heinrich erwies sich auf der reformpädagogischen Privatschule, die er bis zum 14. Lebensjahr besuchte als sehr intelligenter und fleißiger Schüler. Zur Vorbereitung für das "Johanneum" in Hamburg bekam er zwei Jahre Privatunterricht mit Latein, Griechisch, Mathematik. Aber er war keineswegs ein Stubenhocker, sondern er besuchte nebenbei noch eine Gewerbeschule und lernte Drechseln und Hobeln bei einem Tischlermeister, und er baute Schemel, Tische, Schränke, drehte hübsche Sachen aus Elfenbein, bastelte sich physikalische Apparate und drehte sich jede Messingschraube auf seiner Drehbank selbst. Auf der "Gelehrtenschule Johanneum" empfanden ihn die Mitschüler nicht als Streber, sondern sie respektierten ihn, weil er sich mit allen gut verstand.

Nach dem Abitur, das nicht so ganz nach seinen Wünschen ausfiel, ging er 1875 nach Frankfurt ins Büro eines Baumeisters, um sich auf das Bauingenieur-Studium vorzubereiten. Nun liegt der Ingenieurberuf überhaupt nicht in der Tradition der Hertz-Familie, aber die Eltern akzeptierten Heinrichs Wunsch, da nach der Reichsgründung überall in dem neuen deutschen Staat eine rege Bautätigkeit einsetzte. Obwohl seine Lust auf den Ingenieurberuf ungebrochen war, empfand er immer größere Unlust, ins Baubureau zu gehen: Zu wenig Naturwissenschaft und Mathematik, zu viel geisttötende Routine, zu viel Langeweile. Daher in der Freizeit griechische Lektüre und Durchackern von Physikbüchern. Nach dem Praktikum dann Beginn des Studiums am Polytechnikum in Dresden; aber auch hier bekam er Langeweile, da er das meiste schon durch sein permanentes Selbststudium kannte. Einzig die Mathematik faszinierte ihn und das ausgiebige Studium von Kants "Kritik der reinen Vernunft". Das einjährige Intermezzo beim 1. Garde-Eisenbahnregiment in Berlin empfand er schon bald als Zeitverschwendung. 1877 dann die Fortsetzung des Bauingenieurstudiums in München. Dann ein verzweifelter Brief an seine Eltern: Ich möchte auf die Naturwissenschaften umsatteln! Er hatte immer mehr feststellen müssen, dass ihn Baukonstruktionen, Baumaterialien und Baumethoden immer weniger interessierten. Den Naturwissenschaften und der Mathematik werde ich mich mit Begeisteung widmen. Der Sohn war überglücklich, als er von seinem liberalen Vater die postwendende Einwilligung in Händen hielt.

Nach dieser seiner entscheidenden Weichenstellung  stellte er sich in München dem Professor für theoretische Physik vor. Der schreckte ihn aber fast schon wieder ab mit der Bemerkung: Na ja, zweifellos ein schönes Fach, aber viel Neues werden Sie darin kaum mehr leisten können! Wie sollte der sich irren! Drei Jahre zuvor hatte Professor von Jolly auch einen anderen Studenten mit dieser Bemerkung eher abgeschreckt als ermuntert. Und dieser Student hieß Max Planck.

Jetzt war Heinrich Hertz nach langem Umherirren in seinen Element. Experimentalphysik und -chemie, mathematische und philosophische Vorlesungen. Die Mathematik als Mittel, die Naturvorgänge zu beschreiben, fand er äußerst spannend. Aber er sehnte auch die Semesterferien herbei und empfand Vorfreude, seine Drechselbank wieder in schnelle Umdrehungen zu versetzen. Nach zwei Münchener Semestern hielt er sich für so weit ausgebildet, dass er seine Experimentalphysik vertiefen wollte, wofür ihm München keine Möglichkeit bot.

Hertz_Helmholtz_by_Ludwig_KnausBild 2. Hermann von Helmholtz (1821-1894), Universalgelehrter, war der "Reichskanzler der Physik".

Hertz Helmholtz Briefmarke AHertz Kirchhoff BriefmarkeBild 3 und 4. Hertz´ akademische Lehrer in Berlin: Helmholtz und Kirchhoff, die Großmeister der Physik. Sie prägten sein wissenschaftliches Denken.

Also auf nach Berlin in die inzwischen berühmten Vorlesungen des "Reichskanzlers der Physik" Hermann Helmholtz! Vor 1870 war Deutschland rein geisteswissenschaftlich geprägt. Physik war ein Orchideenfach fast ohne Existenzberechtigung. Aber dann brach das naturwissenschaftliche Zeitalter an, und die physikalischen Institute schossen wie Pilze aus dem Boden. Die Berliner Universität erhielt als eine der ersten 1878 ein repräsentatives, sehr teures physikalisches Institut, das damals deutsche Straßburg 1882, München 1894, Heidelberg 1913. Der Umschschwung vom Geist zur Natur war eine richtige Revolution. Bayern bildete das Schlusslicht.

Hertz schilderte seinen Eltern die Verhältnisse an der Berliner Uni: In der Vorhalle muss man sich durchdrängen wie vor einem Bahnhofsschalter zu Pfingsten. Er ist hoch zufrieden. Gustav Kirchhoffs Vorlesungen über Elektrizität und Magnetismus waren ihm ein Genuss. Aus Neugier besucht er auch Treitschkes Vorlesung über Sozialismus. Im Praktikum bei Helmholtz gewinnt Heinrich eine Preisaufgabe über "Elektrizität in trägen Körpern". Da er handwerklich sehr geschickt ist, bastelt er sich die Experimentier-Apparate fast alle selbst. Der Erfolg steigerte sein Selbstbewusstsein, und er ging gleich an die nächste Aufgabe heran, die eine große Herausforderung darstellte. Brauchen die elektromagnetischen Kraftwirkungen zwischen zwei Körpern ein "Medium" oder werden sie im Vakuum übertragen? Für die Lösung der Aufgabe war jedoch die Zeit noch nicht reif. Hertz schaffte alle theoretischen Berechnungen, musste aber den experimentellen Nachweis schuldig bleiben.

1880 wurde er zum Dr.phil. promoviert. Für die Arbeit "Über die Induction in rotirenden Kugeln" erhielt er ein "magna cum laude", nach nur vier Semestern an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. Die gesellschaftlichen Konventionen im Vorfeld, sprich Besuche bei den Mitgliedern der Prüfungskommission in Frack und Zylinder, um das richtige Klima zwischen Prüfer und Prüfling herzustellen, hatte er mit Bravour absolviert. Seine Eltern waren stolz auf ihren Heins, hatte er doch nach einem abgebrochenem Ingenieurstudium beim Reichskanzler der Physik mit 23 Jahren seinen Physik-Doktor gemacht.

Hertz KupfergrabenBild 5. Das Haus der Physikalischen Gesellschaft in Berlin, Am Kupfergraben 7.

Hertz fühlte sich zum Physiker berufen. Da er aber seinen Eltern nicht für immer auf der Tasche liegen wollte, musste er seine Berufung zum Beruf machen, also Professor werden an einer der noch wenigen technischen Hochschulen. Der Weg dahin war steinig und langwierig, aber nicht ohne wissenschaftlichen Reiz. Zunächst musste er sich habilitieren, d.h. als Assistent bei Helmholtz ein Forschungsthema bearbeiten, veröffentlichen, in Spezialvorlesungen zu Gehör bringen und somit seine Lehrbefähigung nachweisen. 1880 trat er der von Helmholtz geleiteten Deutschen Physikalischen Gesellschaft bei und erhielt in dieser Vereinigung weniger Enthusiasten Gelegenheit, über seine Forschungsarbeiten zu berichten. Er verschaffte sich gehörigen Respekt unter den älteren Kollegen mit seiner präzisen Berechnung der heute allen Ingenieuren wohlbekannten "Hertz´schen Pressung", d.h. Stoßzeit und Stoßfläche von zwei aufeinander prallenden Kugeln, wobei er auch dem großen Gustav Kirchhoff einen Fehler in dessen Theorie nachwies.

Nach dreijähriger Assistentenzeit bei Helmholtz hatte er die Möglichkeit, sich in Kiel für mathematische Physik zu habilitieren. Das gelang bestens, und unser frisch gebackener Privatdozent ging mit Elan daran, seine Vorlesungen an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel abzuhalten. Er ließ es zur Freude seiner Studenten nicht bei der Theorie bewenden, sondern würzte seine Vorträge mit viel selbst erdachten Experimenten, deren Geräte er in einer kleinen häuslichen Werkstatt zusammen bastelte. 1884 erhielt er einen Ruf aus Karlsruhe an das Polytechnikum. Er nahm an, nachdem er sich von den sehr guten Experimentiermöglichkeiten überzeugt hatte und war nun etablierter Physikprofessor. 1886 heiratete er die Tochter eines Professorenkollegen, Elisabeth Doll, und 1887 kam dann seine Tochter zur Welt.

Ja, nun waren alle Weichen für große Taten gestellt, die großen Ereignisse konnten ihre Schatten vorauswerfen. Er war sehr gut ausgebildet, war mit 27 Professor geworden, hatte jetzt in Karlsruhe ein sehr gut ausgestattetes Labor, hielt interessante Vorlesungen, und er strotzte nur so vor Ideen. 

Wer wissen will, wie er im einzelnen zu seiner großen Entdeckung gelangte, möge bitte HIER klicken!

Bildnachweis.

Bild 1: Zeitschrift der Iniversität Karlsruhe, Heft 41, 1988. Bild 2: Gemählde von L. Knaus, Schutzfrist abgelaufen.Bild 3, 4: Public domain. Bild 5: Eigenes Foto 2011.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 14. Juni 2012 um 10:48 Uhr